Weltkarte

Ein Jahr, das mich wachsen ließ

Auf einer Insel, auf der das Gras grüner, das Frühstück deftig und die Queen Kult ist, habe ich meinen Internationalen Jugendfreiwilligendienst geleistet. Auch der Bezirk Bexley, ein Vorort von London, birgt seine Gefahren und Abenteuer. Fehltritte beim Linksverkehr sollte man vermeiden. Doch ich habe mein Jahr überlebt, vielmehr noch, mein IJFD war gigantisch.

Was habe ich überhaupt in England gemacht?

Inmitten von Bexleyheath gibt es eine Organisation, die ein Gap Year Programm namens „Koru“ anbietet. Ich war so ein Koru. 
Mit drei weiteren Freiwilligen, war ich vor Ort und habe die Organisation fünf Tage die Woche in ihrer Arbeit unterstützt, mit angepackt, mitgedacht, kreative Vorschläge gemacht, gesungen, Theater gespielt, gelacht, ernst gewesen, doch vielmehr noch, ein familiäres Arbeitsumfeld gefunden.
Hauptsächlich arbeitete ich bei einem selbstentwickelten Programm mit, das „Boys Noise“ heißt. Natürlich ging es um Jungs, die auch manchmal, ach was rede ich da, oft laut waren 😌
Ich begleitete verschiedene Kollegen an Grundschulen und traf Jungen im Alter von 7 bis 12 Jahren an. Das Ziel dieses Projektes ist das Vermitteln wichtiger Werte, wie die Kontrolle von Wutausbrüchen, Emotionen zuzulassen und zu kommunizieren und das Selbstbewusstsein zu steigern. Die jeweilige Schule sucht also 12 bis 20 Jungen aus, die von Boys Noise profitieren können. Es ist ein mega tolles Projekt, das vor allem männliche Vorbilder benötigt. So konnte ich Jungs mit meiner ganz persönlichen Lebensgeschichte begegnen und mit ihnen arbeiten. Nachmittags fanden dann immer die Afterschool Clubs statt, bei denen man mit den Jungs sportlich tätig wurde, trommelte, Kekse aß und die Gruppe als „Team“ stärkte.
Zudem half ich auch hin und wieder beim Religionsunterricht mit, und durfte sogar Teile selbst unterrichten. Freitags war ich an einer weiterführenden Schule, an der wir eine Art Pausenprogramm anbieten. Und die Schüler lieben Deutsche! Es ist ein toller und lustiger Austausch gewesen bei dem man den Jugendlichen auch ein paar Brocken Deutsch beibrachte, was sich oft sehr lustig anhörte. Und noch vieles mehr!

Und was habe ich sonst noch gemacht?

Neben der Arbeit an den Schulen wurde ich auch einer Kirchengemeinde zugewiesen. Auch dort brachte ich mich in der Kinder- und Jugendarbeit ein. Meine Kirchengemeinde hat mir die unglaublichsten Möglichkeiten gegeben, die ich auch ergriff. So konnte ich in der Lobpreis Band mitspielen und durfte diese sogar in den letzten paar Monaten selber leiten. Das Highlight dürfte wohl der Sonntag gewesen sein, an dem ich meine erste Predigt halten durfte! Auf Englisch natürlich.

Gruppenfoto England

Die eigenen Grenzen kennenlernen

Natürlich gab es in den Jugendgruppen und in der Arbeit mal Hochs und mal Tiefs. Meine persönliche Herausforderung war wohl zu Beginn die ziemlich volle Woche. Zudem musste ich als „Ja-Sager“ lernen, „Nein“ zu sagen. Das hat dann aber gut funktioniert und ich bin in meinen Aufgaben unglaublich gewachsen.
Abgerundet wurde mein Jahr natürlich mit dem „Koru“ Team und meiner Gastfamilie, mit denen ich viel von London erkunden konnte und auch viele lustige Spieleabende und Filmnächte verbrachte. Die Gastfreundschaft und Großzügigkeit, die ich erlebt habe, war überwältigend und inspirierend. Meine Gasteltern legten großen Wert darauf, mir die englische Kultur näher zu bringen, wodurch ich so allerlei Filme gezeigt und die jeweiligen Geschichten zu hören bekam.

Essen-England

Das habe ich gelernt

In England hätte man gesagt ich bin „more mature“ geworden. Ich habe viele Fähigkeiten einbringen und ausbauen können und entdeckte auch ganz neue Seiten an mir. Zum Beispiel weiß ich nun welche Persönlichkeit ich habe, was mir unglaublich hilft, denn ich weiß nun wo meine Stärken und Schwächen liegen. Das größte Geschenk in diesem Jahr dürfte wohl mein Wachstum im Glauben gewesen sein. Denn ich habe ihn noch einmal ganz anders erlebt. So lebendig und erfrischend!
Generell waren die Menschen sehr herzlich und offen. Das machte das Ankommen leichter, aber das Heimkehren auch schwerer. Zwar ist mein IJFD vorbei, aber ich habe neue Freunde in England gefunden, die ich jederzeit Besuchen darf 😌
Alles in allem war mein Jahr, ein Jahr, an das ich mich ewig erinnern werde. Und für jeden der die Chance hat ins Ausland zu gehen, der sollte sie ergreifen, denn für mich waren es Erfahrungen die mich wachsen ließen und die mir niemand mehr nehmen kann.
Ach, wisst ihr was, warum lest ihr nur Berichte, macht eure eigenen Erfahrungen! Traut euch, es lohnt sich!

Lukas E.